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Shanties und Seemannslieder
Von Reinhard Rubach, Wasserschutzpolizei, Bremerhaven

Shanties hingegen sind reine Arbeitslieder, nach deren Rhythmus gearbeitet wurde. Shanties, als Arbeitsbegleitung erforderten immer einen Vorsänger. Er war der Antreiber bei der Arbeit. Von seinen zündenden Texten hing es ab, wie leicht die Arbeit von der Hand ging oder wie schnell sie getan wurde. Der Text bezog sich auf das alltägliche Leben des Seemannes in den vergangenen Jahrhunderten, auf das entbehrungsreiche Leben an Bord. “Andrew Rose, auf die Behandlung seiner Vorgesetzten, das magere Essen, die harte Arbeit. “Leave Her, Johnny Leave Her!” bezog sich auf die schale Heuer und als Ausgleich dafür auf die Zeit des Vergnügens im Hafen, den Umgang mit Dirnen, Schiffshändlern und Kneipenwirten.

Das war das Millieu des Seemanns, sein Lebensinhalt und seine Sprache, Ausdruck des Mannes vor dem Mast, der Schiffsmannschaft: “Maggy May”, “Johnny Tod”, und “Bandidero”. “Poor Old Man” ist z.B. ein sog. Advance (Vorschuß) Shanty, ein zeremonielles Shanty. Die Seeleute erhielten früher bei der Anmusterung eine Monatsheuer im Voraus (Vorschuß = advance), welche zu Anschaffungen dienen sollte, meistens aber verjubelt oder vom Schlafbaas für Schulden vereinnahmt wurde. Das Gefühl, im ersten Monat umsonst zu arbeiten, nannte man “Working out the dead horse” (das tote Pferd ausarbeiten). Am letzten Abend das Monats wurde dann aus altem Segeltuch und Tauwerk ein Pferd oder eine ähnliche Figur angefertigt. Kurz vor acht Glasen (4.00, 8.00, 12.00, 16.00, 20.00, oder 24.00), meist aber am Tage, wurde dieses Gebilde dann längs Deck geschleift, wobei diese Lied gesungen wurde. Das Pferd wurde dann an der Lee-Rahnock aufgeheißt und der Stropp durchgeschnitten. Unter fröhlichen Zurufen der Mannschaft fiel das Pferd dann ins Wasser. Alle heute gedruckten Shantytexte sind von Ausdrücken der Vulgärsprache gereinigt, weil sich sonst kaum ein Verleger gefunden hätte. Man hat sich aber seinen Vers aus den Texten machen können., wie z.B. “In Amsterdam there lieves a maid...”, womit zweifelsohne ein Hafenmädchen, eine Prostituierte, gemeint ist. Ähnliche Hinweise finden sich auch in “Maggy May”. Viele Worte und Redewendungen haben ihre frühere Bedeutung verloren, sich gewandelt oder sind überhaupt verloren gegangen, wie z.B. “Sally Brown  ... from the wild goose nation?”.

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